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Album des Monats: Januar 2017

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Mosaic
"Old Man's Wyntar"


Ambient | Atmospheric, Atmospheric Black Metal, Folk Black Metal

Autor Users

9

7

Release:

20.01.17

Dauer:

01:16:27

Songs:

9

Label:

Eisenwald

Albumtyp:

Full-Lenght

Limitiert:

-

1. Incipit: Geherre
2. Onset Of Wyntar
3. Im Winter
4. Snowscape
5. White Gloom
6. Black Glimmer
7. Silent World
Holy Awe
8. Vom Ersten Schnee
9. Silver Nights

Old Man's Wyntar

Geschrieben am von Invidia | 972 mal gelesen


10

Passend zum bereits seit einigen Tagen einsetzendem Winter liegt nun die. nebst Vinyl- ,CD- und Tape-Version, nunmehr vierte Reinkarnation dieser akustischen Wanderschaft auch im Aschereich vor.
Die Neuauflage erschien vor wenigen Monden in einem, in drei Kapitel untergliedertes schicken A5-Digibook mit allerlei Liebe zum Detail über die Eisenwald Klangschmiede und wurde im Vergleich zu den Versionen aus den vorherigen Jahren sogar noch um ein aufwendiges drittes Kapitel erweitert (dazu jedoch später mehr).

 

Vorab – Mosaic ist weitaus mehr, als die zweihundertachtzehnte Kopie einer Kopie irgendeiner Dampfwalzenkapelle aus dem hohen Norden. Mosaic ist Kunst, ist Reise, ist Ritual auf vielerlei Ebenen und Inkantator Koura hat mit diesem Projekt einen einzigartig atmosphärischen Bastard erschaffen, der es vermag, geschickt Elemente des Neo-Folk, Shoegaze und Doom mit den urigen Wurzeln des Schwarzmetalls zu verweben und dabei einen unglaublich dichten, atmosphärischen Klangteppich zu erzeugen. Es wird sogar explizit empfohlen, das Werk in derzeitigen Wetterverhältnissen eisiger Kälte, mit qualitativ hochwertigen Wiedergabemedien oder gar in gänzlicher Dunkelheit zu konsumieren, um dessen besondere Wirkung vollends aufsaugen zu können.
Das ursprüngliche Cover, im Original ein Gemälde von Caspar J.N. Schreuren, ist auf die Schmutztitelseite des Digibooks gewandert und wich einer neuen, vom Kopf des Projektes selbst ersonnenen, Versinnbildlichung des Gevatters Winter, die das Konzept des Albums passend untermalt.
Die Winterwanderschaft einläutend führt “Incipit:Geherre” den geneigten Hörer sanft heranschleichend in das Thema hinein, bis die ersten Anschläge von “Onset Of Wyntar” die endgültige und unvermeidbare Ankunft des Winters ankündigen und Kouras Stimme zwischen erhabene prophetisch und gespenstisch hauchend aus den Boxen hallen. Musikalisch gestaltet sich das Stück den eiem entgegenschlagenden kalten Windböen gleich wechselhaft und spannend unvorhersehbar vielseitig. Gen Ende trägt eine Schaar Raben den Blick und die Gedanken weiter in die Ferne.
(Anbei: Angenehm ist hier ebenso festzustellen, dass der Hall auf allem auf Album gebannten wesentlich zurückhaltender ausfällt als live.)
Das darauffolgende Stück stellt eine Ode an die großartigen Werke Georg Trackl’s dar, aus wessen Feder auch der Text zu “Im Winter” entsprang.
Ruhige Gitarren- und Percussionsarrangements führen hier den Wandernden hin zum zweiten Kapitel, welches von Magie und Dunkelheit zu erzählen vermag und mit “Snowscape” den Rauhreif gedanklich an Fauna und Fensterscheiben malt.
“White Gloom” zerbricht die trügerische Stille mit drohend heranrollendem Gitarrenklang und Blasts, als würde Väterchen Frost persönlich durch das Klanggemälde heranrasen. Auch dieses Werk ist zumindest entfernt von Stücken Trackls inspiriert.
Hier kommen auch erstmals Gastmusiker zum Einsatz, so bietet Leshiyas von Vivus Humare hier am Schlagzeug und Perkussionen sowie A. Deathmonger,seines Zeichens bei Charon und Hatespwan aktiv, gesanglich Schützenhilfe. Das Stück wirft musikalisch alles in die Waagschale, was das Gesamtwerk zur Gänze ausmacht: Langsame, ambientlastige Passagen wechseln sich mit rohen Black-Metal-Ausbrüchen ab, welche letztendlich mit experimentellen Perkussions- und entfremdeten Keyboardklängen abgerundet werden. Das weiße Leuchten erstirbt nahtlos im atmosphärisch, rituell anmutendem “Black Glimmer” und zelebriert das Fest des alles bedeckenden weißen Leichentuch der Kälte, bevor es sich nebulös zur Gänze auflöst und zum dritten Kapitel des Abends weiterführt – welches das exklusiv in dieser Edition hinzugefügte Fragment der Geschichte darstellt .
Der bisher wandernde Hörer, vollends in Schneetreiben und Dunkelheit gehüllt, scheint weit ab von allem auf das entfernte, schwache Leuchten der Zivilisation zu blicken und heimzukehren.
“Silent World, Holy Awe”,anbei den Eltern IK’s gewidmet, basiert textlich auf dem Gedicht “Weihnachten” von Freiherr Joseph von Eichendorff und lässt das innere Auge durch die weiß verzierten Straßen und Gassen der Heimat in all ihrer Schön- und Hässlichkeit streifen – endet gar mit einem äusserst interessantem Zitat.
Wieder wurde der Inkantator hier von Leshiyas, dieses Mal am Bass, sowie in diesem Falle von Pi: 1T 5r, sonst aktiv bei Farsot, an den Perkussionen unterstützt.
“Vom ersten Schnee”, der Frau und der Tochter Kouras gewidmet, erzählt die Geschichte der Frau Holle und entspinnt einen komplexen Dialog zwischen dem Erzähler, dem Wanderer, dem Geist der Rauhnacht und dem Tod.
Passend zur dichten Thematik kommt hier wieder eine Schar Gastmusiker zum Einsatz: Neben Inkantator Koura geben sich Scorpios Androctonus (Acherontas) Nachtreich und Wolfhetan’s Drummer E.H. die Ehre.
Gekrönt wird dieses Meisterwerk vom sich zweiundzwanzig Minuten monumental emporschraubendem “Silver Nights” getauftem Stück.
Neben bereits genannten mitwirkenden anderen Künstlern wirken hier noch Mosaic’s derzeitiger Gitarrist Sulphur, eine mir unbekannte Dame namens Maya, Bartholomäus Resch,welcher wohl besser bekannt als Barth ist und hinter dem Projekt”Our Survival Depends On Us” sowie der Herr hinter Grift, Erik Gärdefors mit. Darin eingebunden wird dem regulären Text noch ein Gedicht des amerikanischen Dichters Robert Frost zitiert.
Nach abebben dieses unbeschreiblich intensiven und dichten Gedankenschneesturms entlässt einen dieser Silberling mit sanften Windgeräuschen zurück in die Realität.

 

Der geneigten Hörerschaft von komplexen Songstrukturen, bewussten Musikkonsumenten und ohnehin schon Hörern des Schwarzmetalls und Neo-Folks sei diese auf Klangscheibe festgehaltene Ode an die Landschaft und Bräuche der thüringer Heimat unbedingt empfohlen!


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