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Interview

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Nachtgeflüster mit Aurgelmir

Interviews

Interviewpartner:

Aurgelmir

Band:

Tempers creature

Genre:

Depressive Black Metal

Aurgelmir
Náttfari

Nachtgeflüster mit Aurgelmir

Geschrieben am von Nebukad | 772 mal gelesen


N: Hallo Aurgelmir,
Schön das du Zeit für dieses Interview gefunden hast. Im letzten Jahr wurde euer Vorgänger “Si Vis Vitam, Para Mortem” zu recht sehr warm von mehreren Webzines empfangen. War das für dich zu erwarten? Und bist du auch rückblickend zufrieden mit dem Ergebnis ?

 

A: Grüß dich!
Danke für die Möglichkeit für dieses erneute Zwiegespräch!
Nun, nachdem bereits die “Lupus Est Homo Homini” überwiegend positive Resonanzen erzielen konnte, war ich durchaus auch von einem Erfolg des Nachfolgers überzeugt, so unbescheiden dies nun auch klingen mag. Die Qualität der Produktion hat sich doch, nicht zuletzt dank der Arbeit von Náttfari, um ein vielfaches gesteigert, die Musik selbst ist ausgereifter und melodischer, gefälliger. Wir sind deswegen auch noch nach wie vor sehr zufrieden mit dem Endprodukt. Das einzige, was ich im Nachhinein ändern würde, ist die Lautstärke des Albums, mittlerweile finde ich es etwas zu leise gemastert.

 

N: Nun gut, mit diesem Aspekt kann man denke ich noch leben ! Aber kommen wir mal direkt zur Sache. Heute sprechen wir über euer neues Werk. “Ex abyssi te vocavi, dei !” Was bedeutet das ?

 

A: Grob übersetzt bedeutet der Albumtitel: “Aus den Abgründen rufe ich zu euch, ihr Götter!”.

 

N: Treffender geht es wohl nicht. Folkige Thematik in einem depressiven Kontext. Passt perfekt zum Sound des Albums. Dennoch haben wir es dieses mal mit einer Split zu tun und nicht mit einer Fulllength, wer hatte die Idee und wie habt ihr zur Collabo Band Erdenthraene gefunden ?

 

A: Nun, die Geschichte dahinter ist relativ unspektakulär.
Im Juni letzten Jahres postete Caranthir, der Kopf hinter Erdenthraene, eines seiner Lieder, “Wayfaerer” (welches in neuem Gewande auch auf der Split vertreten ist), in die Facebook-Gruppe “Black Metal Promotion”.
Ich hörte mir das Lied an und war sofort begeistert, kommentierte es lobend, so kamen wir in’s Gespräch.
Nach kurzer Zeit einigten wir uns darauf, eine gemeinsame Konzept-Split zu kreieren, nicht zuletzt, weil sich unsere beiden Projekte thematisch wunderbar ergänzen und wir uns auch menschlich gut verstehen.

 

N: So kann es natürlich auch gehen. Jetzt da du es ansprichst. Erzähl mir mehr über das Konzept hinter dem Werk !

 
A: Passend zum Titel des Albums erzählen wir die Geschichte zweier Krieger, die in schwierigen Situationen exakt entgegengesetzt handeln. Während der Krieger, den wir in unserem Part besingen, den Kampf scheut und vor schwierigen Situationen flieht, nimmt sein Konterpart, der in den Stücken Caranthirs thematisiert wird, den Kampf an und stellt sich seinen Ängsten.
“Unser” Krieger, der vor dem Kampf, vor seinem Leben, flieht, merkt letztenendes, dass er durch diese Flucht alles verloren hat, wobei er mit etwas Mut so viel hätte gewinnen können.
Sein Gegenüber hingegen erreicht seine Ziele, “vergöttlicht” sich letztlich selbst.
Die Krieger stehen metaphorisch für den geneigten Hörer, sollen ihm Mut machen, die Probleme, vor denen er steht, anzupacken, seine Ängste zu überwinden und das beste aus seiner momentanen Situation zu machen, verlieren kann nur, wer nicht kämpft. Es ist also durchaus ein Album mit einer positiven Botschaft.

 

N: Mir ist schon beim hören aufgefallen, dass sich der Kreis schließt und sich die Gegenstücke gut fügen. Kannst du uns einen Einblick in den Entstehungsprozess eines Songs von euch geben. Wird erst geschrieben oder entsteht das meiste beim
recorden , geht ihr an jeden Song gleich ran ?

 

A: Ich komponiere relativ unkonventionell, lasse mich stets von meinen Emotionen leiten. Ich versuche, auf mich, auf mein Inneres zu hören und diese Eindrücke musikalisch festzuhalten. Man könnte somit sagen, dass die meisten Stücke zum großen Teil improvisiert sind, nicht von langer Hand vorgeplant oder durchkonzeptioniert.
Steht dann ein Lied soweit, sende ich es an Náttfari, der das Schlagwerk hierzu einspielt, die fertige Schlagzeugspur bekomme ich zurück und mische / mastere sie.
Anschließend kümmere ich mich um die Bass-Spuren, die für mich stets eine Einheit mit dem Schlagwerk bilden, erst danach mache ich mir Gedanken über einen Text.

 

N: Was inspiriert dich am meisten Stücke aus dem Stehgraif zu schreiben. Erinnerungen, Ereignisse oder unerklärliche emotionale Impulse ?

 

A: Ich würde sagen, eine Mischung aus allen Dreien. Musik ist für mich ein Ventil, sie hilft mir, Erinnerungen und Ereignisse zu verarbeiten und aktuelle negative oder positive Gefühle tonal zu bündeln und zu binden. Es ist oft so, dass es mir nach dem “bannen” negativer Gefühle in Liedform deutlich besser geht, Musik hält eine unglaubliche Kraft bereit – für Seele, Herz und Geist.

 

N: Denkst du, dass Tempers Creature “verschwinden” würde wenn dich nichts mehr bedrücken würde ?

 

A: Nein, “Tempers Creature” ist ein Teil von mir selbst. Es würde nicht einfach verschwinden, wohl aber die Stilistik deutlich ändern. Würde mich überhaupt nichts mehr bedrücken – und hier liegt die Crux, es gibt im Leben eines jeden Menschen genug Sorgen und Probleme – so würde es wahrscheinlich ein reines Folk-Projekt à la Trollfest werden, was ich nun doch nicht hoffen möchte (lacht).

 

N: Eine sehr schöne Antwort (lacht ebenfalls). Aber lass uns nochmal zurück auf das Album eingehen.
Wie beim letzten Album (gemeint ist das Lied “Danse Macabre”) gab es diesmal erneut einen signifikanten Folk Song (Und Alle Leiden Enden), wird sich das zu einer Tradition für die kommenden Alben entwickeln ?

 

A: Die Antwort ist ganz eindeutig “ja”, wir haben bereits mit dem nächsten Full-length-Album begonnen und auch auf diesem wird wieder ein äußerst folkloristischer Song vorzufinden sein. Ich habe durchaus Gefallen daran gefunden, die doch sehr düstere, bedrückende Stimmung der Alben mit Folk-Elementen etwas aufzulockern und dem Hörer dadurch die Gelegenheit zu bieten, etwas “durchzuschnaufen”.
Und genau dieser Effekt tritt auch ein !

 

N: Wird das nächste Album auch über Sturmglanz Produktionen vertrieben werden ? Wenn ja nehme ich an, dass ihr zufrieden mit eurem Label seid oder ?

 

A: Richtig, das Gemeinschaftswerk veröffentlichten wir ausnahmsweise über das Label meines Zweitprojektes “Irmeynsul”, über “Winterwolf Records”, das kommende Full-length wird wieder wie gewohnt über Sturmglanz erscheinen, wir sind absolut mit der Arbeit des Labels zufrieden, sehr professionelle Zusammenarbeit, hervorragende Qualität des Endproduktes – natürlich auch bei Winterwolf Records, wie ich anmerken möchte.

 

N: Werden uns wieder mehrere Gastmusiker wie bei dem aktuellen Werk erwarten ? und wie sieht es bei dir aus, bist du auch als Gastmusiker bei anderen Bands tätig ?

 

A: Natürlich, Gastmusiker sind mittlerweile eine feste Institution bei Tempers Creature geworden. Es wird erneut weiblichen Gastgesang geben und auch der obligatorische Beitrag von Epidemios, unserem “permanenten Gastsänger”, darf natürlich nicht fehlen. Des Weiteren wird uns ein guter Freund von Náttfari mit seinem Gesang beehren.
Ich selbst bin tatsächlich gerade Gastmusiker, ich helfe Náttfari bei seinem neuen Projekt “Geisterbanner” an den Gitarren und am Bass aus.

 

N: Ich bin gespannt mehr davon zu hören. Wie dem auch sei, ich bin nun mit meinem Hauptfragenkatalog zu Ende. Ich habe noch 3 kleine “allgemeinere” Fragen für dich die du gerne sehr lässig beantworten darfst.

 

A: Sehr gerne.

 

N: Nun denn, Was wäre dir lieber,

Kein Spaß ?
Kein Core ?
Kein Mosh ?
Oder Keine Trends ?

 

A: Nun, ich könnte sowohl auf Mosh als auch auf Core ganz gut verzichten, ich war noch nie ein Freund von diesen Ansammlungen von Tollwütigen, die wild um sich schlagen und wie aufgescheuchte Hühner im Kreis herumtollen. Und Core war noch nie meine Musikrichtung, wer es möchte, von mir aus, aber ich brauche es nicht (lacht).

 

N: Denkst du NSBM wäre im dritten Reich als entartete Kunst verboten ?

 

A: Sehr sehr interessante Frage. Nun, die Thematiken im NSBM wären dem Regime sicher kein Dorn im Auge gewesen, wohl aber die instrumentale Gestaltung, die wohl als reine “Lärmbelästigung” gegolten hätte. Hätte man in den 30er- und 40er-Jahren bereits die Möglichkeiten gehabt mit E-Gitarren zu hantieren, hätte dies sicher für schieres Entsetzen gesorgt, hat es ja schon in den 60er-Jahren. Ich würde also annehmen, NSBM wäre als “entartet” eingestuft worden.

 

N: 3 Bands die du mit Bierdosen von der Bühne jagen würdest

 

A: Varg, Thraenenkind und Jan Delay mit Band.

 

N: Letzte Worte an die Welt

 

A: Ich beschränke mich auf ein schlichtes “Danke” an alle, die Tempers Creature bisher so nett und tatkräftig unterstützt haben, allen voran an Aschereich.

 

N: Vielen Dank für die Nennung von Jan Delay und ich hoffe das meine Freundin das liest.

Aber natürlich vielen Dank an dich ! Immer wieder eine Freude im Zwiegespräch mit dir zu sein.
Viel Erfolg weiterhin !


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