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Interview

Aurgelmir
Tempers Creature – Depressive Suebian Heathen Music

Interviews

Interviewpartner:

Aurgelmir

Band:

Tempers Creature

Genre:

Depressive Black Metal

Aurgelmir
Náttfari (seit 2014)

Tempers Creature – Depressive Suebian Heathen Music

Geschrieben am von Nebukad | 1935 mal gelesen


Im Zwiegespräch mit Aurgelmir, Begründer des schwäbischen Depressive Black Metal Projekts Tempers Creature

 

N: Guten Tag, Aurgelmir.
Würdest du kurz deine Rolle bei Tempers Creature erläutern ?

 

A: Hallo!
Nun, Tempers Creature wurde von mir im Jahre 2008 gegründet, bis 2013 konnte man von einem Ein-Mann-Projekt sprechen. Ich war und bin für Gitarre, Bass, Synthetik und Lyrik zuständig, wurde bei meiner Arbeit aber von Session-Musikern, vor allem am Schlagwerk, unterstützt. Im Jahre 2013 entschloss ich mich dazu, feste Schlagzeuger hinzuzuziehen. Meine Rolle umfasst somit im wesentlichen alles, was an Arbeit anfällt – mit Ausnahme der Drums.

 

N: Damit hast du bereits die nächste Frage zum Teil beantwortet, mich würde nämlich interessieren, wie der generelle Werdegang von Tempers Creature ab 2008 bis heute, ende 2014, aussah. Über euer Label Sturmglanz Produktionen wurden ja bereits vor Lupus Est Homo Homini zwei Veröffentlichungen raus gegeben, soweit ich weiß.

 

A: Wie geschildert wurde Tempers Creature 2008 von mir als Ein-Mann-Projekt gegründet, allerdings zu diesem Zeitpunkt noch in Form eines Dark-Ambient / Dark-Atmospheric-Projektes. Ich experimentierte viel mit unterschiedlichsten Klanglandschaften, war aber zu keinem Zeitpunkt komplett zufrieden. In dieser Phase von Tempers Creature spielte ich eine Demo, genannt Als Hoffnung starb (welche allerdings nie veröffentlicht wurde), sowie eine EP, Eternal Sorrow, ein. Diese EP wurde 2011 eigen veröffentlicht, im Dezember 2013 wurde sie schließlich via Depressive Illusions Records neu aufgelegt.

 
Dann erst kam der Wechsel hin zum Black Metal. Im September 2011 lernte ich mit Jalfur einen fähigen Schlagzeuger kennen, der mir zusicherte, mir als Session-Drummer auszuhelfen. Ich wollte bereits zuvor stets Black Metal spielen, ich bin seit mittlerweile 11 Jahren in diesem Genre heimisch und empfand es nur als natürlich, eine eigene Black Metal-Band zu gründen. In Ermangelung eines Schlagzeugers jedoch experimentierte ich allerdings, wie geschildert, zuerst im Bereich des Dark-Ambient.
Nachdem ich nun Unterstützung am Schlagzeug gefunden hatte, konnte ich mich musikalisch voll ausleben. Der Wechsel von Dark-Ambient zu Black Metal verlief allerdings keinesfalls so radikal wie sich das vielleicht anhören mag.

 
Im Jahre 2012 erschien das erste Vollwerk von Tempers Creatrue, Thanatos genannt. Auf diesem Werk sind sowohl Elemente aus dem Dark-Ambient als auch aus dem Black Metal zu hören. Die Thanatos wurde ebenfalls von Depressive Illusions neu aufgelegt, ebenfalls im Dezember 2013. Im Frühjahr 2013 stellte ich schließlich mit Arngrim meinen ersten festen Schlagzeuger ein, in Zusammenarbeit mit ihm entstand das zweite Vollwerk von Tempers Creature, Lupus Est Homo Homini, welches im April 2014 durch Sturmglanz veröffentlicht wurde. Dies war bisher unsere einzige Veröffentlichung über die Sturmglanz Produktionen, aber sicher nicht unsere letzte. Die Zusammenarbeit mir Arngrim gestaltete sich jedoch nicht immer einfach, ich holte mir aus diesem Grunde mit Náttfari einen wirklich fähigen Schlagzeuger mit großer Erfahrung ins Boot und arbeite mit ihm seit September dieses Jahres an unserem dritten Vollwerk, Si Vis Vitam, Para Mortem.

 

N: Danke für die Belehrung in Bezug auf die Veröffentlichungen und Sturmglanz ! Aber das nur nebenbei.
Kommen wir mal zu eurem letzten Release. Inwiefern hat sich das Recorden und Produzieren dieses Longplayers von den anderen Sessions unterschieden ?

 

A: Der größte Unterschied lag in der Zeit, die wir für das Album aufgewendet haben. Während Eternal Sorrow oder Thanatos innerhalb von etwa sechs Monaten aufgenommen waren, benötigten wir für Lupus Est Homo Homini fast eineinhalb Jahre. Die Aufnahme von Gitarre und Bass verlief reibungslos, dann wurde es allerdings etwas schwierig. Hauptproblem war vor allem, dass Arngrim und ich keine Ausrüstung hatten, um das Schlagzeug adäquat aufnehmen zu können. Jalfur hatte für die Thanatos ein eigenes kleines Heimstudio zur Verfügung, somit war es kein Problem, eine gute Drumqualität zu erzielen. Arngrim und ich hatten jedoch leider nichts Vergleichbares zur Hand und waren auf einen heimischen Musikhändler angewiesen, der uns Aufnahmezubehör verlieh. Die Schwierigkeit war hierbei jedoch, dass ein Aufnahmetermin gefunden werden musste, bei dem sowohl Arngrim als auch ich Zeit hatten – was sich, berufsbedingt, als äußerst schwierig herausstellte. Die ersten Drumspuren nahmen wir schließlich im Mai 2013 auf, wurden allerdings nicht ganz fertig, das Aufnahmezubehör war leider nur drei Tage verfügbar. Wir mussten also notgedrungen bis Oktober 2013 pausieren, erst zu diesem Zeitpunkt war das Zubehör wieder verfügbar, konnten wir uns wieder terminlich einig werden.
Es war also ein sehr umständlicher Prozess – der allerdings ein äußerst gutes Ende nahm, wie ich meinen möchte.
Mein neuer Schlagzeuger, Náttfari, hat zum Glück ebenfalls ein kleines Heimstudio, die gerade geschilderten Probleme waren somit einmalig.

 

N: Wie bist du auf Náttfari gestoßen ?

 

A: Über das Internet. Náttfari spielt auch in einigen anderen Black Metal-Projekten Schlagzeug, ich orderte über ihn, genauer über seinen YouTube-Kanal, irgendwann 2011 oder 2012 Demo-CDs seiner Hauptband. Wir kamen rasch ins Gespräch und schrieben immer mal wieder miteinander.
Als ich mich dann im Juni dieses Jahres von Arngrim trennte, fragte ich Náttfari, ob er Interesse daran hätte, mir bei Tempers Creature am Schlagwerk auszuhelfen. Náttfari willigte ein, zunächst für das kommende Album, Si Vis Vitam, Para Mortem, den Part des Schlagzeugers zu übernehmen, da wir allerdings wirklich gut miteinander harmonieren entschloss er sich dazu, dem Projekt als festes Mitglied beizutreten.

 

N: Dann bin ich ja mal echt auf das Ergebnis gespannt! Aber bevor wir uns mehr mit dem Kommenden auseinander setzen, würde ich gern noch folgendes wissen. Es sind ja schon einige Monate seit Release eurer letzten LP verstrichen, wie war die allgemeine Resonanz (Label, Fans, Webzines, etc.) ?

 

A: Die Ressonanz war durchwegs positiv – und erstaunlich weitläufig, wir erhielten unter anderem Reviews aus den Vereinigten Staaten und sogar aus Mexiko. Was mich sehr freute war die Tatsache, dass kein Magazin die Lupus Est Homo Homini mit einer schlechteren Wertung als mit 7,5 / 10 Punkten versah. Das bedeutet mir als Musiker unheimlich viel. Auch bei den Hörern fand die Scheibe sehr guten Anklang, die mir vom Label zugeschickten Exemplare des Albums waren innerhalb weniger Wochen vergriffen, auch das Label selbst konnte eine gute Anzahl der Lupus Est Homo Homini verkaufen – unter anderem sogar nach Japan, was mich sehr fasziniert hat.
Die Resonanz war also wirklich erfreulich gut, dies ist mir als Musiker der größte Lohn.

 

N: Ein perfekter Ansatzpunkt für die Zukunft. Auf eurer Facebook Seite hattet ihr ja kürzlich einen ersten Eindruck für Si Vis Vitam, Para Mortem geben können. Welches Konzept erwartet uns hinter dem neuen Album ?

 

A: Si Vis Vitam, Para Mortem bedeutet, grob übersetzt, etwa: Wenn du das Leben aushalten möchtest, so stelle dich auf sein Ende ein. Das mag auf den ersten Blick doch recht finster und hoffnungslos klingen, symbolisiert für mich jedoch sogar das Gegenteil dessen. Das Konzept des neuen Albums ist ein positiveres, hoffnungsvolleres Konzept als auf allen anderen Alben bisher. Es beinhaltet für mich eine positive Melancholie – es steht nicht mehr der Hass auf alles und jeden im Vordergrund, sondern die ausgiebige Selbstreflexion, das Wissen, dass alles Leid endlich ist. Man kann den Satz: Si Vis Vitam, Para Mortem auf mehrere Arten deuten.
Die offensichtlichste Deutungsweise mag sein, dass das Leid mit dem Tod ein Ende findet – Náttfari und ich deuten den Satz hingegen so: Jedes Leid endet früher oder später. Das im Satz vorkommende Ende kann auch nur als Ende des Leids interpretiert werden. Es ist somit ein Album, welches dazu gedacht ist, an Stärke und Mut zu gewinnen.
Die gerade angesprochene positive Melancholie der Lieder verdeutlicht die schweren Momente, die ein jeder von uns früher oder später zu bestehen hat – hiernach jedoch muss es mit neuem Mut, mit neuer Kraft weitergehen. So sind auch die einzelnen Lieder aufgebaut – jedes Lied hat seine melancholischen, aber auch seine positiven Momente. Das Konzept lässt sich also, in wenigen Worten, wie folgt zusammenfassen: Neue Stärke nach schwerer Zeit.

 

N: Werden wieder Gastmusiker vertreten sein ?

 

A: Ja. Epidemios, der bereits auf der Thanatos (im Titellied) und der Lupus Est Homo Homini (bei Wir rufen deine Wölfe) als Gastsänger zu hören war, wird erneut ein Lied einsingen, ebenso Hvita, der der zauberhafte weibliche Klargesang auf der Lupus Est Homo Homini zu verdanken ist. Náttfari wird interessanterweise ebenfalls ein Lied einsingen.

 

N: Eine, meiner Meinung nach, sehr gute Wahl, da die Klar-Gesänge deine Werke facettenreicher gestaltet haben. Habt ihr bereits an eine Vinyl oder Tape Veröffentlichung gedacht oder bleibt ihr euren CD-Rohlingen treu ?

 

A: Nun, darüber habe ich mir, um ehrlich zu sein, noch gar keine Gedanken gemacht. Die Produktion von Vinyl-Platten ist äußerst kostspielig, ich bezweifle, dass wir die nötige Auflage verkaufen könnten, damit es sich preislich einigermaßen rechnet. Über Tapes allerdings könnte man durchaus nachdenken, zumal diese ja gerade für Sammler oder Liebhaber des Old-School-Sounds sehr interessant sind. Alles in allem denke ich jedoch, dass wir, zumindest für die Si Vis Vitam, Para Mortem, weiter der klassischen CD treu bleiben, Einzelheiten müssen aber noch mit Sturmglanz abgeklärt werden.

 

N: Über eine Tape Veröffentlichung würde ich mich natürlich freuen (haha).
So jetzt haben wir bereits viel über deine Musik geredet, aber letzten Endes ist ein Kunstwerk nichts ohne seinen Künstler. Legen wir mal den Fokus auf Dich und Deine Meinung.
Wenn du deine Einflüsse auf drei Bands beschränken müsstest, welche wären es ?

 

A: Es wären
Burzum
Blutklinge
und Lifelover.

 

N: Gute Einflüsse. Dehnen wir den Rahmen, deine Meinung zur heutigen Deutschen Black Metal Szene ?

 

A: Ich möchte mir nicht anmaßen, über die gesamte deutsche Black Metal-Szene zu urteilen. Ich kann nur das bewerten, was ich selbst sehe, also die Szene in meiner Heimat.
Und diese ist, wenn auch etwas hart ausgedrückt, lächerlich bis nicht vorhanden. Die meisten lokalen Black Metaller suchen nur nach irgend einer möglichst lauten, aggressiven Musik, ignorieren dabei aber vollkommen die Werte und Ideale, die der Black Metal mit sich bringt.
Meine Meinung zur lokalen Black Metal-Szene ist somit, nett ausgedrückt, negativer Natur.

 

N: Kann man deiner Meinung nach Black Metal auf den musikalischen Output reduzieren ?

 

A: Nein, ich denke nicht.

 

N: Knappe, gute Antwort. So eine letzte Frage, dann ist es vollbracht.
Fühlst du dich als deutscher Musiker, der im Black Metal Bereich germanische und patriotische Aspekte hervorhebt, fehlinterpretiert ?

 

A: Zum momentanen Zeitpunkt kann ich mich nicht beschweren, es kam glücklicherweise noch niemand auf die krude Idee, mir aufgrund meiner patriotischen und heidnisch-germanischen Thematik eine Nähe zum Nationalsozialismus vorzuwerfen. Es ist allerdings generell eine traurige Tatsache, dass viele Bands, sobald sie sich patriotisch äußern – oder gar über unsere Ahnen berichten – sofort in die NSBM-Schublade gesteckt werden. Das ist in meinen Augen vollkommen schwachsinnig.
Es ist nichts verwerflich daran, seine Heimat zu lieben. Ich liebe meine Heimat, ich liebe Deutschland und dazu stehe ich. Die deutsche Geschichte hat soviel mehr zu bieten als 12 dunkle Jahre, dass immer alles auf das Dritte Reich reduziert wird, stört mich ungemein.

 

Genauso verhält es sich mit dem Germanentum.
Ich selbst bin Ásatrúar, glaube also an die Götter unserer Ahnen, an Wotan, Ziu oder Donar. Dieser Glaube ist über 2000 Jahre älter als der Nationalsozialismus, der die religiösen Vorstellungen unserer Ahnen für seine Zwecke instrumentalisierte. Die Germanen, egal welcher Stamm, wussten nichts von einem Hitler, auch waren sie keine Faschisten. Ich verstehe nicht, warum bestimmte Personen immer wieder krampfhaft versuchen, den heidnisch-germanischen Glauben mit dem Nationalsozialismus in Verbindung zu bringen. Ásatrú ist eine friedfertige Naturreligion, die in der Natur das Göttliche sieht. Die Natur ist vielfältig, die Menschen sind es ebenso, das akzeptieren wir vollkommen. Wo darin der nationalsozialistische Grundgedanke liegt, erschließt sich mir bei bestem Willen nicht.

 

Ich persönlich wurde also, kurz zusammengefasst, glücklicherweise noch nicht fehlinterpretiert, viele andere Bands mit ähnlichen oder gleichen Thematik jedoch traurigerweise schon. Und das ist schade. Patriotismus ist nichts Schlechtes oder rückwärts gewandtes, es ist die Liebe zur Heimat. Wir sind hier aufgewachsen, wir sind hier sozialisiert. Wir lieben unsere Elternhäuser – warum also nicht auch unser Land? Für diese Frage möchte ich mich übrigens herzlich bedanken, das lag mir wirklich auf der Seele.

 

N: Und ich bedanke mich für dieses wirklich umfassende Interview. Ich wünsche euch Jungs weiterhin viel Glück und spätestens zum neuen Release wird man wieder voneinander hören !

 

A: Vielen Dank für die Möglichkeit zu diesem Gespräch, ich wünsche dem Aschereich-Team ebenfalls alles Gute für die weitere Zukunft! Bis dahin!

 

Regards Nebukad


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