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Tipp der Redaktion

ende
Tempers Creature
"Lupus Est Homo Homini"


Ambient | Atmospheric, Atmospheric Black Metal, Black Metal, Depressive Black Metal, Folk Black Metal, Pagan Black Metal

Autor Users

8

9

Release:

06.04.2014

Dauer:

72:17

Songs:

13

Label:

Sturmglanz Produktionen

Albumtyp:

Full-Lenght

Limitiert:

100

1. Zwiespalt (Einklang)
2. Schmerz Mein Einzig' Freund (Einsamkeit I)
3. Winter Im Herzen (Einsamkeit II)
4. Der Misanthrop (Interludium)
5. Menschheit Weltenbrand
6. Letztes Strafgericht
7. Die Liebe Nerthus (Burzum Cover/Interludium)
8. Suebia (Heimaterde)
9. Heimathymne (Interludium)
10. Wir Rufen Deine Wölfe (Sturmpercht Cover)
11. Wuotans Wildes Heer
12. Trauer Der Germania
13. Nur Ein Traum... (Einsamkeit III)

Lupus Est Homo Homini

Geschrieben am von Nebukad | 1880 mal gelesen


10

Ein Wolf ist der Mensch dem Menschen. Eine traurige Tatsache und das Konzept eines Albums, dass man in solch einer Form noch nicht gehört hat. Die schwäbische Band „Tempers Creature“ ist seit 2008 als Black Metal Duo aktiv, Mastermind scheint Aurgelmir zu sein, während Arngrim sein Backup-Drummer war. Auf der Bandpage wurde nämlich kürzlich verkündet das nun Náttfari fester Drummer der Band sei.

 

Wie dem auch sei. Kommen wir zum Album.
Der erste Eindruck einer Band, von der ich noch nichts gehört habe, legt bei mir das Artwork des Albums fest. Es ist das erste was ich vernehme, wie bei einem Menschen macht das Äußere den ersten Eindruck. Auf dem Cover ist ein Wolfsrudel zu sehen, der bei Vollmond eine Herde eingezäunter Lämmer überfällt. (An diesem Punkt hier möchte ich noch einmal die riesige Interpretationsfläche des Albums ansprechen, die auch auf dem Album Cover vertreten ist. Der Wolf, die Animalisierung des germanischen Glaubens, holt sich sein Land vom Lamm Gottes (Christentum) zurück, diese Annahme wird im Laufe des Albums aus meiner Sicht bestätigt, aber kommen wir erst mal zu Band)

 

Die Band bezeichnet ihr Genre als „Depressive Suebian Heathen Music“ und um ehrlich zu sein geht bei mir in der Regel das unkontrollierte Augenzucken schon los, wenn ich von Bands höre die meinen, Genre Titel wie „Transylvanian Vampric Metal“ oder „Djented Aliencore“ erfinden zu müssen, um sich individuell fühlen zu dürfen. Tempers Creature hingegen gehört zu den Bands, die durch ihre Musik tatsächlich ein neues Universum, im doch so konservativen Black Metal geschaffen haben und haben da durch allen Grund, ihren eigenen Terminus zur Eigendefinition zu benutzen. Es sind Einflüsse aus allen Ecken des Black Metals zu vernehmen, doch an vorderster Front steht eindeutig Depressive Black Metal als Einflussbereich, der durch den klassischen Corpse-Sound einen starken Old-School Black Metal Charakter erhält. Stellenweise bedient sich das Duo jedoch auch am Pagan Metal, sogar an Folk und klingt hin und wieder in einem düsteren Ambient Stil aus.

 

Eine ganz schön große Klanglandschaft wa?
Die muss man auch vorweisen können, wenn man den Ehrgeiz besitzt, ein zusammenhängendes Werk von über 70 Minuten zu schaffen. Gekonnt, hier noch mal meinen Respekt an der Stelle.

 

Doch nicht nur das Variieren von Genres sorgt für ein spannendes Hörerlebnis. Sondern unter anderem das gut portionierte Einsetzen von Samples die von „Spoken Word“ bis zu Kriegerhorden reichen, die zu den jeweiligen Zeitpunkten es schaffen die Musik gut zu untermauern. Hinzu kommt, dass Aurgelmir Gastmusiker engagiert hat, die mit „klarem“ Gesang (männlich und sogar weiblich) einen guten Kontrast zu seinen Vocals stellen, die mit rauem Krächzen an einigen Stellen zu bezeichnen wären. An den meisten seiner Einsätze benutzt er jedoch Schreie, die von einer brennenden Hexe auf dem Scheiterhaufen stammen könnten. Diese Schreie verfluchen das Leben und all das Leid, dass es beherbergt. Grandiose vokalistische Darstellung mit sehr emotionalem Kern.

 

Kommen wir aber nun mal zu den Instrumenten und der allgemeinen Produktion. Falls ihr glaubt, beim ersten Mal die aufwendige Komposition dieses Albums durchschauen zu können, vergesst es. Mir sind sogar noch nach dem fünften Turn der Platte neue Details aufgefallen. Allein schon das Aufgebot an Instrumenten ist relativ mächtig. Über das Grundgerüst (Gitarre, Schlagzeug, Bass) hinaus finden wir klassische Streichinstrumente, Mandoline, Klavier und Synthesizer im Werk wieder. Diese Vielfalt an Instrumenten setzt starke Akzente, aber unterstützt auch den Werdegang des Albums in seinen reichen Facetten und Expressionen, die nun mal nicht immer nur eine verzerrte Gitarre zum Ausdruck bringen kann. Was beim ersten Mal hören als leicht willkürlich und ziellos wirkt, erhält beim mehrfachen hören ein klares Muster. Trauer, Melancholie und Hass sind das, was dieses Album für mich im großen und ganzen ausstrahlt. Genau diese Attribute lassen sich auch als eher abschreckend kategorisieren. Jedoch ist die Erkenntnis, die man nach der intensiven Auseinandersetzung damit hat immens. Das gilt nicht nur für zwischenmenschliches, sondern auch für dieses Album.

 

Meiner Meinung nach, ist die Produktion trotz des rauen, düsteren „Corpse-Sound“ schon beim ersten Mal hören sehr zugänglich (Ausgenommen man ist Hi-Fi Bonze). Man merkt, dass Aurgelmir, Mastermind, höchstwahrscheinlich für die Produktion verantwortlich war (Meine Annahme). Denn jedes Instrument hat seinen festen Platz in der Produktion, wie beim Abmischen eines Orchesters.

 

(Hört sich selbstverständlich an? Nein, in einer „Major-Label-Produktion“ z.B., werden die Instrumente in fast jedem verschiedenem Abschnitt eines Liedes neu abgemischt, um sie entweder stärker oder schwächer klingen zu lassen, oder um es leichter auszudrücken, manchmal ist die Hi-Hat auf dem rechten Kopfhörer zu hören, manchmal auf dem linken, in einem Lied. Nur um es wirklich, sehr, sehr grob auszudrücken.)

 

Auch wenn Schlagzeug, Gitarre und Bass einen sehr minimalistischen Eindruck wecken, ist die Wirkung auf den „Konsumenten“ enorm. Von der Produktion her ähnelt das Verhältnis von Gitarre und Streichern sehr, der Produktion von der österreichischen Band Summoning, dominierende und klare Harmonien (Streicher, Keyboard), die von den verzerrten Gitarren im Hintergrund unterstützt werden (Zum.Vgl. Nightshade Forests, Dol Guldur). Vor allem der Kontrast zwischen unverzerrten (diese haben einen deutlich pompöseren Sound in der Produktion) und verzerrten Instrumenten ist grandios. Es wirkt ständig wie ein Kampf von Gut und Böse, manchmal geht aber auch beides Hand-In-Hand. Die jedoch zusammenfassend doch ziemlich „neblige“ Produktion legt einen geheimnisvollen Schleier auf das gesamte Werk, was es unmöglich macht, sich beim Hören auf alles fixieren zu können. Dies ist jedoch aus meiner Sicht ein sehr guter Aspekt, das macht „Lupus Est Homo Homini“ zu einem ständig neuem Hörerlebnis, das einen ständig woanders hinführt.

 

Ich gehe sehr ungern auf einzelne Songs ein, da man ja Konzepte nicht auseinander reißen kann und es ist nicht meine Intention ist, die Magie des „jungfräulichen“ Hörens eines Albums durch Spoiler zu vernichten.

 

Dennoch,
auf dem Album befindet sich kein konstantes Tempo, von Blastbeats bis zu einzelnen Wassertropfen die den Takt vorzeichnen, lässt sich tatsächlich alles finden. Außerdem lässt sich das Album in zwei Abschnitte teilen. Der erste handelt von Hass, Sorge und Identitätsverlust und hat auch ein destruktiveres Setting, als der zweite Teil. Der zweite Teil beginnt mit Folk, ein anderes Setting umhüllt das Werk. Aus Hass wird Melancholie, Sorge und Identitätsverlust werden zum Traum von Identität. Der letzte Song jedoch bildet eine Konklusion und führt zurück zum Anfang, mit dem Titel „Nur ein Traum“ schließt dieser Song das Album.
Trotzdem,
enthält dieses Album einige Überraschungen die ich in dieser Rezension nicht einmal wirklich angeschnitten habe, um dem Hörer nicht alles vorweg zu nehmen.

 

Gegen Ende des Jahres muss ich doch sagen, dass „Lupus Est Homo Homini“ trotz der kurzen, jedoch sehr intensiven Auseinandersetzung, einer der Spitzenreiter für mein persönliches Album des Jahres im Bereich Depressive Black Metal ist. Von der Atmosphäre bis zum Konzept und der Umsetzung glänzt dieses Album ohne Schwachstelle. Tempers Creature überzeugen nicht nur mit ihrer Vielfalt, sondern bieten einem auch Interpretationsfläche, die selber zum Nachdenken anregt.
Eine Band mit beißendem Tiefgang und verdammt viel Expression.
Wer das Album noch nicht gehört hat, sollte dies schleunigst tun. Dazu hat die Band netterweise die „Gates Of Socialmedia“ geöffnet. Wenns euch gefällt, kauft euch das Album über ihr Label Sturmglanz Produktionen und unterstützt anständige, leidenschaftliche Musiker (und nicht den gepushten EMP, RockHard, MetalHammer etc. Scheiß).

Regards, Nebukad


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