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CD-Review

temple-TuT
Temple of Oblivion
"Traum und Trauma"


Atmospheric Black Metal, Epic Black Metal

Autor Users

7

9

Release:

2014

Dauer:

ca. 70:13

Songs:

13

Label:

Eigenproduktion

Albumtyp:

Full-Lenght

01 - GLÜCK AUF! (1897)
02 - ZISLEITHANIA (1912)
03 - MIT VEREINTEN KRÄFTEN (1914)
04 - AM ISONZO (1917)
05 - DURCH BÖHMENS WIRRSAL (1920)
06 - BLÜTE DER FÜGUNG (1926)
07 - SAAT DER NIEDERTRACHT (1938)
08 - VON DER SUTJESKA (1943)
09 - AUF FREUND HAINS SPUREN (1945)
10 - VON ORT ZU ORT (1947)
11 - PFAD DER VERGESSENHEIT (1949)
12 - TRAUM UND TRAUMA (1953)
13 - AUF BALD! (1954)

Traum und Trauma

Geschrieben am von Urbantroll | 1670 mal gelesen


10

Nachdem der Erstling, der sächsischen TEMPLE OF OBLIVION, produktionstechnisch eher schartig roh im Gehörgang kratzte, erhebt sich die band, um Henker und Kenaz, mit ihrer neuen Scheibe Traum und Trauma, aus den klanglichen Kellergefilden und präsentiert eine gut durchdachte Soundstruktur, die produktionstechnisch hohe Qualitätsmaßstäbe ansetzt, wesentlich ausgewogener von den Lautsprechermembranen flattert und nicht sofort das verlangen erweckt, am Equalizer herumspielen zu müssen. Manchmal, etwas zu übertrieben am Anspruch hängend, wirkt es leicht leblos und fahl, unnatürlich gekünstelt, wie die Wangen einer Geisha – für den Nicht-Japaner. Es fehlt die hektische Aufregung einer stürmischen Liebesnacht und erinnert an unterkühltes Geturtel.
Aber da kommt der Punkt des individuellen Geschmacks ins Spiel und somit verlassen wir diesen Pfad ganz schnell wieder.
Musikalisch im atmosphärischen angesiedelt, klimpern sich die Syntheziser teilweise in bombastische Sphären, die ich nur mit Dimmu Borgir vergleichen kann, und lassen die Gitarren dabei leider oft unbedeutend hinter sich schrammeln. Zu schade. Abgerundet wird das ganze, von einem gut durchprogrammierten Schlagzeug, was wenig Emotionalität und doch eher ein kaltes Maschinengefühl aufkommen lässt.
Den Dimmu Borgir Vergleich, speziell zu einigen Melodien von Stormblast, entkräftete Henker, bei einem persönlichen treffen, mit einem verwirrt fragenden Blick. Deswegen abgehakt.
Klar ist das Gesamtwerk musikalisch durchdacht und gut ausgearbeitet, doch fehlt mir der Initialfunke für ein sofortiges Liebesbekenntnis.

 

Thematisch wagen sich die Templer, mit dieser zweiten offiziellen CD, an ein für einige doch recht heikles Thema, der deutschen Geschichte und verarbeiten dies in Form einer fiktiven, an echten Biografien entlang konstruierten Lebensgeschichte, die sich als konzeptioneller Faden durch das Material des Albums zieht. Wie mir der Arbeitstitel des Langspielers schon im Vorfeld andeutete, handelt es sich bei dieser Thematik um eine Biografie, welche die böhmisch-sudetische Herkunft der Bandmitglieder tangiert und die Irrungen und Wirrungen eines ganzen Lebens, in Bezug zu Region, ihrer Kultur und Lebensweise des harten Tagwerks der Zeitgeschichte, den territorialen Veränderungen und den generellen Umwälzungen des neunzehnten und zwanzigsten Jahrhunderts behandelt. Dabei wird der Protagonist von der Geburt an, durch Handwerk, Krieg, Trauma, Veramung, rassistische Anfeindungen und vieles mehr, geprügelt, bis er am Ende in einer fremden Heimat, bar jeden Glücks und mittellos in die Kiste fällt.
Und wider einigen dumm schwatzenden pseudopolitischen, sehe ich hier weder Deutschtümelei, noch nationalistische Glorie, sondern eine bewusste und sehr feinfühlige Auseinandersetzung mit der eigenen Historie, die auch durchaus nicht unkritisch ist.

 

Im Gegensatz zur musikalischen und thematischen Opulenz überraschen Artwork und Stil der Aufmachung mit einer erfrischenden Klarheit und angenehmem, ja fast unbedarftem Minimalismus. Ein krasser, aber durchaus interessanter Ansatz.
Die Special Edition dagegen, soweit ich dem Photo entnehmen konnte, wirkt wie eine Schatzkiste, die man in einer Piratenhöhle entdeckt hat und enthält einiges an Dingen und Gedöns für die Vitrine.

 

Abschließend, für Fans ein muss, für die anderen lohnt das Reinhören und Entdecken. Es erwarten euch dreizehn Stücke mit einer endlos erscheinenden Gesamtspielzeit. Vielleicht entdeckt hier der eine oder andere seinen LP-Klassiker für die Zukunft. Ich werde diesen Silberdiskus jedenfalls eine weile rotieren lassen.

 

6 punkte würde ich als Waldschrat geben, darum 7.


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