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Interview

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Thränenkind – Interview mit Nathanael

Interviews

Interviewpartner:

Matthias "Nathanael" S.

Band:

Thränenkind

Genre:

Post Metal, Crust, Post Rock, Post Black Metal, Hardcore Punk

Matthias - songwriting + lyrics + additional + vocals; live-bass
Nils - vocals & lyrics
Flo & Max - guitars
Emanuel - drums

Thränenkind – Interview mit Nathanael

Geschrieben am von Arkas | 2449 mal gelesen


Welche Ziele und welche Beweggründe hattest du mit der Gründung von Thränenkind? Verfolgst du noch die gleichen Interessen wie damals? Was hat sich geändert?

 

Für mich war die Musik der Band schon immer ein Mittel über persönliche Gefühle und Empfindungen zu reflektieren. Vieles was mich innerlich aufwühlt, mich an unserer heutigen Welt stört, was mich zum Nachdenken anregt, findet seinen Weg in die Musik. Es gab also weniger Ziele, sondern mehr das Verlangen und den Drang sich etwas Luft zu verschaffen, einen Raum zu finden in dem Platz für all die Dinge ist, die sonst unausgesprochen geblieben wären, beziehungsweise zu belastend sind um sie einfach in sich hineinzufressen.
Im Prinzip ist das auch heute noch so, nur ist eben ein Unterschied, dass es nicht mehr alleine mein Projekt ist, sondern dass Thränenkind heutzutage eine Band bestehend aus fünf Individuen ist, welche natürlich alle einen gewissen Einfluss auf die Musik ausüben. Was mit der Zeit stärker in die Songs eingeflossen ist, ist eine tiefe Unzufriedenheit mit den Lebensumständen in unserer heutigen “modernen” und “zivilisierten” westlichen Welt. Diese Situation des “Gefangenseins” in einem politischen bzw wirtschaftlichen System, das einfach nur als repressiv, einengend und zerstörerisch empfunden wird, ist zu einem großen Thema innerhalb der Musik geworden… Philosophische und ethische Auseinandersetzungen mit einem anderen Weg, einem alternativen Leben jenseits von Konsum und Gier beschäftigen mich und fließen dementsprechend in Lyrics und Musik ein.

 

Wie kam es zu einem Labeldeal mit Lifeforce Records, die ja hauptsächlich Bands aus dem Genre Metalcore und Hardcore Punk unter Vertrag nehmen?

 

Ich habe eine Demo des Albums an Lifeforce geschickt und Stefan war begeistert. Es war uns wichtig ein Label zu finden, dass nicht nur Lust hat unsere Musik zu veröffentlichen, sondern auch menschlich und vor allem politisch und weltanschaulich gut zu uns passt. Und da war Lifeforce ein naheliegender Schluss. Nebenbei bemerkt sind wir nach wie vor sehr zufrieden mit deren Arbeit und schätzen die Jungs sehr.

 

Ende November begebt ihr euch auf eine kleine “Winter Tour”. Welchen Stellenwert nehmen Liveauftritte bei Thränenkind ein?

 

Liveauftritte sind ein wichtiger Bestandteil geworden, besonders nachdem wir 2013 eine vollständige Band geworden waren. Unsere Musik auch live vor verschiedensten Menschen umzusetzen ist eine interessante und äußerst zufriedenstellende Erfahrung geworden. Wir haben das Glück vor ganz unterschiedlichen Menschen mit unterschiedlichem Background spielen zu können und freuen uns ganz besonders auf die Winter-Tour mit Ancst und Ast, da wir deren Musik sehr schätzen und uns auch menschlich gut verstehen.

 

Bisher hast du selbst das komplette Songwriting übernommen. Wird sich dahingehend etwas mit der neuen Besetzung ändern? Welchen musikalischen Einfluss wird das auf das kommende Album haben?

 

Den Großteil der Songs des kommenden Albums habe ich bereits fertiggestellt. Allerdings haben sich die anderen Jungs beteiligt und am Songwriting und verschiedensten Details mitgewirkt. Wir rücken als Band also auch im Hinblick auf die Entstehung der Songs immer weiter zusammen.

 

Warum hast du den Schritt zur englischen Sprache in “The Elk” gemacht? Belässt du es in Zukunft bei englischen Texten? Wenn ja, warum?

 

Ganz einfach: Das Album ist ein Konzeptalbum, welches sich mit dem Schicksal zweier Geschwister auseinandersetzt, die sich auf die Reise zum Begräbnis ihres verhassten Vaters machen und dabei einigen Erinnerungen, alten Freunden und mysteriösen Fremden begegnen. Die Geschichte ist in den USA angesiedelt, da erschien es nur passend, die Texte auf Englisch zu schreiben.
Wir sind damit alle sehr zufrieden und werden das auch in Zukunft so beibehalten (Nils wird einen Großteil der Texte für das kommende Album schreiben und er zieht es von jeher vor Texte auf Englisch zu schreiben).

 

Warum denkst du, werden deutsche Texte in der deutschen Black Metal Szene mehr anerkannt als englische?

 

Ist das so? Ich weiß nicht genau. Vielleicht hat es etwas mit einem gewissen Nationalstolz zu tun, der leider in weiten Teilen der Black Metal Szene (weltweit und damit auch in Deutschland) verbreitet ist. Das ist aber nur eine Vermutung und ich glaube, dass auch viele englischsprachige Black Metal Bands ein hohes Ansehen innerhalb der deutschen BM Szene genießen.

 

Was hältst du von der elitären Black Metal Szene und wie sind die Reaktionen auf “The Elk” gewesen?

 

Allgemein waren die Reaktionen auf “The Elk” sehr gut. Sowohl breite Teile der Presse, als auch viele langjährige Fans haben uns sehr positives Feedback gegeben.
Ich weiß nicht genau was unter der “elitären” Black Metal Szene zu verstehen ist, aber falls du damit die Menschen meinst, die glauben NSBM und rechte bzw faschistische und homophobe Einstellungen gutzuheißen, gehöre zum “wahren” Black Metaller einfach dazu, dann halte ich davon GAR NICHTS.

 

Wie stehst du den Behauptungen wie z.B. “Was ist nur aus Thränenkind geworden” und “Thränenkind ist Hipster Black Metal” gegenüber? Wie beurteilst du selbst die musikalische Entwicklung von Thränenkind?

 

Was ist aus uns geworden? Naja, da stellt sich mir die Frage: Was waren wir denn früher? Wir waren eine Post Black Metal Band, welche viel Wert auf Atmopshäre und Emotionalität gelegt hat. Auf “The Elk” ist weniger Black Metal, dafür mehr Post Rock und auch eine Prise Crust und Hardcore Punk zu finden. Damit sind wir heute wohl so etwas wie eine Post (Black) Metal Band, die ihren Horizont erweitert und sich neuen Einflüssen geöffnet hat – die unserer Meinung nach, sehr gut zu Thränenkind passen – aber nichtsdestotrotz immer noch sehr viel Wert auf Atmosphäre und Emotionalität legt. Wenn jemand das als “Hipster Black Metal” bezeichnen möchte, habe ich damit kein Problem, finde es aber durchaus amüsant. ;)

 

Wie und wann bist du zum ersten Mal mit der Straight Edge Kultur in Kontakt gekommen und was hat dich an diesem Grundsatz überzeugt?

 

Ich habe noch nie verstanden warum Menschen Drogen konsumieren. Habe nie geraucht und konnte auch die Faszination des Kontrollverlusts nie nachvollziehen. Irgendwann mit 19, 20 habe ich festgestellt, dass es noch viele andere gibt, denen es so wie mir geht und seitdem bezeichne ich mich als Straight edge. Ein “Label” welches durchaus nicht völlig unproblematisch ist, aber in seiner Grundaussage, keine Drogen (auch keinen Tabak und keinen Alkohol) zu konsumieren und Respekt vor anderen (menschlichen und nicht-menschlichen Tieren) in den Fokus zu rücken, erscheint mir absolut positiv und überzeugt mich auch heute noch.

 

Es ist auffällig, dass alle Bandmitglieder der Straight Edge bzw. Veganen Bewegung angehören.
Galt dies als Suchkriterium für die Bandbesetzung oder war das für dich eher zweitrangig?

 

Wichtig war, dass wir uns auf einer persönlichen Ebene gut verstehen. Dazu gehört neben einem gewissen “auf einer Wellenlänge sein” eine anti-faschistische bzw anarchistische Einstellung. Des weiteren ist Mensch nicht aus einer Laune heraus vegan und straight edge. Damit geht meist eine bestimmte Weltsicht und im Idealfall eine Kritik der herrschenden (Ausbeutungs- und Dominanz-)Verhältnisse einher. Da ist es natürlich gut, wenn alle Bandmitglieder diese mehr oder weniger teilen.
Von einem Suchkriterium kann aber ohnehin kaum gesprochen werden, da alle Bandmitglieder meinem Freundeskreis entstammen und wir uns sowieso schon länger kannten.

 

Vielen Dank für das Interview. Die letzten Worte gehören dir.

 
Ich möchte mich bei dir für die Möglichkeit bedanken hier über unsere Musik und Ansichten zu sprechen. Des weiteren bedanke ich mich bei all jenen, denen unsere Musik etwas bedeutet, den Bands die wir auf Tour getroffen haben und all denjenigen, welche uns ermöglichen Konzerte zu spielen und uns und unsere Musik unterstützen.


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